Aus der Geschichte der drei Escher Vereine "Gârd an Hém", "Amis de la Fleur" und "Gaardefrenn"

Unter dem Namen „Cerde Horticole" wurde am 30. Mai 1918 der heutige Gartenbauverein „Gârd an Hém" von 14 sozialdenkenden Escher Bürgern ins Leben gerufen. Es war dies Anfang und Ausgangspunkt der nationalen Kleingartenbaubewegung. Präsident war Hr. Th. Noesen Sekretär Hr. J. Morbach, Kassierer Hr. Gerard Willems.
Die Gründungsmitglieder setzten sich resolut ans Werk, und als inzwischen der Achtstundentag eingeführt wurde, konnte man zuversichtlich an die Schaffung von Arbeitergärten herantreten. Der rasche Aufschwung des ersten Escher Arbeitergärtenwerkes war nicht nur einer einsichtsvollen Vereinsleitung zu verdanken, sondern auch jener unvergeßliche Rede, die Abbe Lemire am 17. Februar 1924 im Turnsaal der Brillschule hielt.
Am l. Januar 1925 erfolgte die Herausgabe der Zeitschrift „Le Coin de Terre et le Foyer" — „Garten und Heim", an deren Leitung führende Vereinsmitglieder maßgebend beteiligt waren. Den Pionieren der ersten Stunden ist noch heute der erste Festzug der Escher Kleingärtner vom 16. August 1925 in bester Erinnerung.
Wenn auch schon um das Jahr 1926 die verschiedenen lokalen Gesellschaften des Luxemburger Kleingartenwesens sich in einer einzigen nationalen Liga, der „Ligue Lux. du Coin de Terre et du Foyer" zusammengefunden hatten, so wurde die offizielle Gründung der Liga doch erst im Januar 1929 proklamiert.
1930 - 31; Gründung einer Kinderbühne. 1932 : Mitarbeit an der Schaffung des Schulgartens auf Brouch. 1933 : Anschaffung der ersten Vereinsfahne. Die Fahnenweihe erfolgte im Rahmen eines Festzuges und einer Gartenbauausstellung. 1934 - 35: Gründung der Mädchengesangsektion „Les Fauvettes" mit Herrn Lehrer Emile Reyter als Chorleiter. 1937, vom 31. Juli bis 2. August: Veranstaltung eines internationalen Arbeiterkongresses. 1940 : Die Gesangsektion „Les Fauvettes" wird aufgelöst; Fahne und Vereinsvermögen werden vom Okkupanten beschlagnahmt.
Im Jahre 1947 waren die Verhandlungen zwecks Schaffung einer Entente der drei Escher Gartenbauvereine von Erfolg gekrönt. Anfang August 1948, anläßlich des 30. Wiegenfestes, erfolgte die feierliche Einweihung einer neuen Vereinsfahne. Patin war Mme Goergen-Cocard, Pate Herr Guill. Roth, der seit dem Jahre 1922 ununterbrochen dem Verein angehört, ab 1930/31 als Vizepräsident.
Gelegentlich des 25jährigen Bestehens des Landesverbandes, das im August 1951 in der Minettemetropole gefeiert wurde, beteiligte sich der Verein an dem imposanten Blumenkorso mit zwei originellen Wagen und warf in einem Stand der Jubiläumsausstellung einen Rückblick auf die Arbeitergärtenbewegung in der Stadt Esch von 1918 - 1951.
Als wichtigste Realisation der Nachkriegszeit ist die Schaffung der Daueranlage „in Elsebrich" zu bewerten. Wenn auch schon dort die Kleingärtner ihre Parzellen mit Lust und Liebe betreuen, so würden sie es doch vorziehen, als Eigentümer darin wirtschaften zu können. Zur Zeit verfügt der Verein über 9,5 Hektar Pachtland, die Daueranlage miteinbegriffen. Da die Beschaffung von Pachtland immer größeren Schwierigkeiten begegnet, drängt sich die Kreierung von Daueranlagen im Rahmen der kommunalen Bebauungs- und Urbanisierungspläne nachgerade auf.
Im Jahre 1958 konnte der Verein sein 40jähriges Bestehen feiern. Als Präsidenten standen an der Spitze des Vereins die Herren Th. Noesen, Wagner-Poncin, Eug. Reichling, Direktor Alf. Houdremont, Notar Rene Wagner, Fr. Flick, Jos. Schütz, AI. Frisch und Victor Neuens, der seit 13 Jahren den Vorsitz führt. Letzterer ist auch Mitglied des Zentralvorstandes des Landesverbandes, Präsident der Regionalkommission Süd und Mitarbeiter des Verbandsorgans.
Die führenden Personen des Vereins möchten noch alle mit dabei sein, wenn „Gärd an Hern" im Jahre 1968 sein 50. Jubiläum feiern wird. Dann werden sie besonders des Arbeitergärten-Apostels, Abbé Lemire, gedenken, mit dem die Pioniere des Vereins bis zu seinem Ableben in engstem Kontakt standen.

Victor Neuens
Esch-sur-Alzette 1963